Erklärt
Warum schwanken die Benzinpreise täglich?
Vier Dinge bewegen den Preis an der Säule, und sie bewegen ihn unterschiedlich schnell: die Uhrzeit binnen Stunden, der Standort dauerhaft, der Rohölpreis über Wochen, die Steuer über Jahre.
· nächste Aktualisierung Aktualisiert täglich um 06:00, 13:00, 19:00 Uhr
Super E10 kostet heute im bundesweiten Median 2,12⁹ € je Liter, Diesel 2,20⁹ €. Das ist ein Mittelwert über 25 Städte – die einzelne Tankstelle kann heute 50 ct darüber oder darunter liegen, und morgen anders. Warum, steht hier: erst die Gründe, die du an einem einzelnen Tag ausnutzen kannst, dann die, die den Preis über Monate tragen.
Kurz gesagt. Der Preis steigt nur einmal am Tag, um 12 Uhr, und sinkt danach – deshalb ist der Vormittag die günstigste Zeit. Zwischen zwei Tankstellen derselben Stadt liegen heute typischerweise 50 ct. Rohöl bewegt den Preis über Wochen, nicht über Stunden. Die Steuer schwankt gar nicht: sie ist der feste, größte Teil.
Innerhalb eines Tages
Die 12-Uhr-Regel: warum der Preis nur einmal am Tag steigt
Seit dem 1. April 2026 gilt das Kraftstoffmaßnahmenpaket. Es hat aus der alten Preiswelle einen Sägezahn gemacht.
Bis März 2026 durfte eine Tankstelle ihren Preis beliebig oft ändern; typisch waren sechs bis acht Anhebungen am Tag, mit einem Hoch am Morgen und einem Tief am Abend. Seit April darf jede Tankstelle ihren Preis nur noch einmal täglich um 12 Uhr anheben. Senken darf sie ihn jederzeit.
Daraus folgt der ganze Tagesverlauf: Von 0 bis 12 Uhr kann der Preis nur fallen, weil Anhebungen verboten sind und Tankstellen sich gegenseitig unterbieten. Um 12 Uhr springt er – bundesweit im Mittel 14,6 ct bei Super E10 und 18,4 ct bei Diesel (ADAC-Auswertung an über 14.000 Tankstellen, Mai 2026). Danach sinkt er langsam bis zum nächsten Mittag.
Der Ratschlag „abends tanken“ stammt aus der Zeit davor und ist heute falsch. Am günstigsten tankst du am Vormittag, unmittelbar vor 12 Uhr. Wann tanken am günstigsten ist: Uhrzeit, Wochentag und die 12-Uhr-Regel →
Zwischen Tankstellen
Warum zwei Tankstellen in derselben Stadt unterschiedlich viel verlangen
Der Preis wird am Standort gemacht. Das ist der Teil der Schwankung, den du am schnellsten in Geld umrechnen kannst.
Jede Tankstelle setzt ihren Preis selbst, und zwar nach dem, was sie um sich herum sieht: eine Konkurrenz in Sichtweite drückt den Preis, eine Lage an der Ausfallstraße oder an der Autobahn hebt ihn. Dazu kommen Pacht, Liefermenge und wie viel am Shop verdient wird. Ein Autobahnpreis liegt regelmäßig 20 bis 30 ct über dem Preis derselben Marke drei Kilometer weiter.
Zwischen Städten ist der Unterschied kleiner als innerhalb einer Stadt. Heute trennen Augsburg (2,05⁹ €) und Dresden (2,23⁹ €) 18 ct im Median – innerhalb einer typischen Stadt sind es 50 ct zwischen der günstigsten und der teuersten geöffneten Säule, also 25,00 € auf eine 50-Liter-Füllung. Die Wahl der Tankstelle bringt damit mehr als der Wohnort.
Regional wirkt zusätzlich die Logistik: Raffinerien und Pipelines liegen nicht überall, und ein niedriger Rheinpegel verteuert im Sommer die Binnenschifffahrt, über die ein großer Teil der Produkte nach Süddeutschland kommt. Grenznahe Orte richten sich außerdem nach dem Preis auf der anderen Seite.
Über Wochen
Rohöl, Wechselkurs und Raffineriemarge
Der Teil, den man in den Nachrichten hört – und der am langsamsten an der Säule ankommt.
Rohöl der Sorte Brent wird in US-Dollar je Barrel (159 Liter) gehandelt. Zwei Größen wirken deshalb zugleich: die Notierung selbst und der Euro-Dollar-Kurs. Ein Dollar mehr je Barrel entspricht rechnerisch rund 0,6 ct je Liter vor Steuern, mit Mehrwertsteuer etwa 0,7 ct (gerechnet mit 1,08 USD je Euro). Ein um fünf Prozent schwächerer Euro verteuert den Liter ähnlich stark wie vier Dollar auf dem Barrel.
Zwischen Notierung und Zapfsäule liegen Raffinerie, Großhandel und Transport. Der Durchlauf dauert ein bis drei Wochen, und die Raffineriemarge schwankt selbst: Diesel und Heizöl kommen aus derselben Fraktion, sodass eine kalte Woche den Dieselpreis hebt, ohne den Benzinpreis zu berühren. Im Sommer zieht umgekehrt die Reisenachfrage den Benzinpreis an.
Deshalb folgt der Preis an der Säule dem Ölpreis nie am selben Tag. Wer eine Tagesbewegung erklären will, findet die Ursache fast immer in der Uhrzeit oder am Standort, nicht an der Börse.
Der feste Teil
Steuern: mehr als die Hälfte des Preises – und der Teil, der nicht schwankt
Energiesteuer und CO₂-Preis sind feste Beträge je Liter. Sie erklären das Niveau, nicht die Bewegung.
Die Energiesteuer beträgt 65,45 ct je Liter Benzin und 47,04 ct je Liter Diesel. Dazu kommt der CO₂-Preis – 2026 bei 60 € je Tonne, also 14,0 ct je Liter E10 – und auf alles zusammen 19 % Mehrwertsteuer. Weil die Mehrwertsteuer prozentual auf die Summe wirkt, verstärkt sie jede Bewegung des Produktpreises um ein Fünftel.
Was heute in einem Liter Super E10 steckt
53,4 % Staat
- Rohöl, Raffinerie & Handel
- Energiesteuer
- CO₂-Preis
- Mehrwertsteuer
Gerechnet auf den heutigen bundesweiten Median von 2,12⁹ €. „Rohöl, Raffinerie & Handel“ ist der Rest nach Abzug der drei staatlichen Bestandteile – der einzige Teil, der sich täglich bewegt. Preisaufbau im Detail, mit CO₂-Rechner →
Praktisch
Was du gegen die Schwankung tun kannst
Zwei Entscheidungen, beide in Geld messbar: wann du tankst und wo.
- Vormittags tanken. Nach 12 Uhr kann der Preis bis zum nächsten Mittag nicht mehr steigen, aber der Sprung selbst kostet im Mittel 14,6 ct je Liter – auf 50 Liter 7,30 €.
- Die Tankstelle vergleichen, nicht die Marke. Innerhalb einer Stadt liegen heute typischerweise 50 ct zwischen der günstigsten und der teuersten Säule, also 25,00 € je Füllung. Der Unterschied zwischen zwei Tankstellen derselben Marke ist meist größer als der zwischen zwei Marken.
- Nicht auf den Ölpreis warten. Er wirkt über Wochen. Für die Tankfüllung am Donnerstag ist er ohne Bedeutung.
- Den Umweg gegenrechnen. 10 km hin und zurück kosten bei 7 l/100 km rund 1,49 € – ab etwa 3 ct Preisunterschied lohnt sich die Fahrt bei einer 50-Liter-Füllung.
Die Preise auf dieser Seite stammen aus 25 Städten und werden 06:00, 13:00, 19:00 Uhr übernommen. Für die Tankstellen im Umkreis von 12 km um dich herum, live und mit Preisalarm, gibt es die App.
Fragen
Häufige Fragen zu schwankenden Spritpreisen
Warum ändert sich der Benzinpreis mehrmals am Tag?
Seit dem 1. April 2026 darf jede Tankstelle ihren Preis nur einmal täglich anheben, um 12 Uhr, und danach nur noch senken. Innerhalb eines Tages bewegt sich der Preis deshalb in eine Richtung: ein Sprung um die Mittagszeit – bundesweit im Mittel 14,6 ct bei Super E10 und 18,4 ct bei Diesel – und danach ein langsames Absinken bis zum nächsten Mittag.
Warum ist Benzin an einer Tankstelle teurer als 2 km weiter?
Weil der Preis am einzelnen Standort gemacht wird, nicht zentral. Wettbewerb in Sichtweite, Lage an einer Ausfallstraße oder Autobahn, Pachthöhe und Zusatzgeschäft entscheiden mit. In einer typischen der 25 ausgewerteten Städte liegen heute 50 ct zwischen der günstigsten und der teuersten geöffneten Tankstelle – auf eine 50-Liter-Füllung 25,00 €.
Wie schnell wirkt sich der Ölpreis auf den Spritpreis aus?
Nicht sofort. Zwischen der Notierung für Rohöl der Sorte Brent und dem Preis an der Säule liegen Raffinerie, Großhandel und Transport; in der Praxis dauert der Durchlauf ein bis drei Wochen. Ein Dollar mehr je Barrel entspricht rechnerisch rund 0,6 ct je Liter vor Steuern (bei einem Kurs von 1,08 USD je Euro), mit der Mehrwertsteuer etwa 0,7 ct.
Schwanken auch die Steuern auf Benzin?
Die Energiesteuer nicht: sie ist ein fester Betrag je Liter – 65,45 ct bei Benzin, 47,04 ct bei Diesel – und ändert sich nur, wenn der Gesetzgeber sie ändert. Der CO₂-Preis steigt jährlich nach Plan (60 € je Tonne im Jahr 2026, das sind 14,0 ct je Liter E10). Nur die Mehrwertsteuer schwankt mit, weil sie ein Prozentsatz ist: 19 % auf alles darunter.
Warum ist Diesel mal teurer, mal günstiger als Benzin?
Diesel ist niedriger besteuert – 47,04 statt 65,45 ct je Liter – und liegt deshalb meist darunter. Der Abstand schwankt aber mit dem Produktmarkt: Diesel und Heizöl stammen aus derselben Raffineriefraktion, sodass eine kalte Woche oder ein niedriger Rheinpegel den Dieselpreis anhebt, ohne den Benzinpreis zu berühren. Heute liegen bundesweit 8 ct zwischen beiden.
Kann man den Spritpreis von morgen vorhersagen?
Die Richtung über Wochen lässt sich am Rohölpreis ablesen, der einzelne Tag nicht. Verlässlich ist nur das Tagesmuster: der Preis kann nach 12 Uhr bis zum nächsten Mittag nicht mehr steigen. Wer den Tank vormittags füllt, braucht keine Prognose.
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Spritpreise vergleichen
Die heutigen Preise, Stadt für Stadt – und die beiden anderen Erklärseiten.
Stand: 25. August 2026. Preisdaten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K) des Bundeskartellamts via Tankerkönig, Lizenz CC BY 4.0. Steuersätze nach Energiesteuergesetz, Stand 2026.